Nutzlosbranche

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Nutzlosbranche steht als spöttischer Oberbegriff für eine Gruppe von Firmen und Geschäftsleuten, die durch Internetseiten mit versteckter Kostenpflicht und anschließendem Inkasso-Stalking versuchen, Verbraucher um ihr Geld zu bringen.


Inhaltsverzeichnis

Arbeitsweise der Nutzlosbranche

Das Geschäftsmodell der Nutzlosbranche wird auch unter dem Begriff Abo- und Vertragsfallen im Internet zusammengefasst.

Die Mitglieder der Nutzlosbranche veröffentlichen Internetseiten zu attraktiven Themen wie SMS-Versand, Warengutscheinen, Wissens- und IQ-Tests, Führerscheintests, Lebenserwartung, Verwandtschaft, Tieren, Hausaufgaben, Nachbarschaftsbeziehungen oder Berufswahl. Prominent auf diesen Seiten platzieren sie ein Formular, in das Besucher ihre Daten (Name, Anschrift, Geburtsdatum, Mailadresse) eingeben sollen, um den angebotenen Dienst nutzen zu können. Im direkten Anschluss an dieses Formular muss der potenzielle Kunde per Klickfeld bestätigen, dass er die AGB gelesen habe. Per Klick auf einen - meist groß und auffällig gestalteten - Button soll die Dienstleistung dann gestartet werden.

Die Erklärung, dass die Inanspruchnahme des Dienstes Geld koste, wird dabei klein und unauffällig im Fließtest oder außerhalb des zunächst sichtbaren Blickfelds - etwa am untersten Seitenrand - versteckt.

Wenn ein Betroffener sich für den Dienst "angemeldet" hat, erhält er wenig später eine Rechnung per Mail. Verweigert der Empfänger die Bezahlung, etwa weil er sich über die Kostenpflicht getäuscht fühlt, beginnt das Inkasso-Stalking - so lange, bis "ausreichend" Opfer gezahlt haben.

Dimension der Nutzlosbranche

Verbraucherschützer gehen davon aus, dass in Deutschland ein harter Kern von rund 50 bis 100 Menschen in der Nutzlosbranche tätig ist. Dabei verstecken sich die Täter oft hinter Briefkastenfirmen und Tarnadressen im In- und Ausland, um sich gegen straf- und zivilrechtliche Verfolgung durch deutsche Behörden und Verbraucherschutzorganisatioen zu schützen. Beliebte Tarnadressen sind dabei beispielsweise Road Town auf den British Virgin Islands und Dubai.

Hinzu kommen Helfer und Helfershelfer, etwa Anwälte und Betreiber von Inkassofirmen, die mit Rechnungen, Mahnungen und Drohungen den Zahlungsdruck gegenüber den Verbrauchern aufbauen. Die Zahl der Lock-Seiten im Internet liegt im mittleren dreistelligen Bereich, schwankt dabei jedoch immer wieder.

Volkswirtschaftlicher Schaden und Opferzahlen

Die Verbraucherzentralen schätzten den volkswirtschaftlichen Schaden, den die Nutzlosbranche anrichtet, auf jährlich mehrere Millionen Euro. Bundesweit gingen jeden Monat rund 20.000 Beschwerden von Verbrauchern über Abo- und Vertragsfallen im Internet ein, berichtete die Verbraucherzentrale Hessen. Quelle: stern.de


Urteile gegen Abo- und Vertragsfallen

Vor allem der Verbraucherzentrale Bundesverband hat seit 2006 eine Vielzahl von Abmahnungen und Gerichtsurteilen gegen Mitglieder der Nutzlosbranche erwirkt. In mehreren Fällen gelang es jedoch nicht, den Tätern Abmahnungen zuzustellen, da sich diese hinter Briefkastenfirmen im In- und Ausland versteckten.

Auch in den einzigen zwei Fällen, in denen potenzielle Opfer verklagt wurden, verloren die klagenden Seitenbetreiber, nicht etwa die Verbraucher.

Etymologie und Historie

Der Begriff "Nutzlosbranche" wurde erstmals am 26. August 2007 im Forum von computerbetrug.de geprägt und verwendet. Schöpfer des Begriffs Nutzlosbranche ist Nutzer jupp11. Er stellte im Zusammenhang mit der Seite feel-free-sms.com fest, dass "keiner der Nutzlosbranche (...) sich auch nur in die Nähe der StA" wage.


Weblinks

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